Faktencheck 6: Information zu den aufgeworfenen Fragen anlässlich der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Krematorium Kolbermoor“ am 13.09.2019

Faktencheck 6 beschäftigt sich mit den aufgeworfenen Fragen, die die Bürgerinitiative zu ihrer Informationsveranstaltung am 13.09.2019 aufgeworfen hat.

Die Bürgerinitiative „Krematorium Kolbermoor“ lädt nach ihrer Absage der Teilnahme an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Stadt Kolbermoor, der EHG und ausgewiesener Experten zu einer eigenen Informationsveranstaltung ein, um den „Kolbermoorer Bürgern die Möglichkeit, sich frei und unabhängig zu informieren“, zu geben. Die in der Einladung aufgeworfenen Fragen und Behauptungen greifen wir gerne auf, um tatsächlich eine allseitige, freie und umfangreiche Information zu ermöglichen.


Frage: „Gibt es einen Bedarf für ein Krematorium?“

Fakten:
Den Bedarf einer Feuerbestattungsanlage nur mit dem errechneten Bedarf der Stadt Kolbermoor zu begründen, geht fehl. Selbstverständlich kann eine solche Anlage nur funktionieren, wenn sie entsprechende Kapazität hat und über ausreichende Auslastung verfügt.

Gleiches gilt für Krankenhäuser und viele andere Anlagen der kommunalen Daseinsvorsorge. Dass diese Auslastung auch aus dem Umkreis von Kolbermoor kommt, ist ebenso selbstverständlich wie beispielsweise Gebrauchs- und Konsumgüter genau wie Kultur- und Sporteinrichtungen oder umgewidmete Industrieareale nicht nur für den Bedarf der Kolbermoorer Bürger verfügbar sind.


Frage: „Wie hoch sind die Umweltbelastungen?“

Fakten:
Hierzu bekommen interessierte Bürger offene, belastbare und schriftliche Informationen in den verschiedenen Faktenchecks der EHG. Sogar so konkret, dass die Emissionen der Feuerbestattungsanlage Traunstein aufgeführt sind, die um ca. 90 Prozent unter den gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerten liegen.

Aus dem Faktencheck 4 führen wir hier erneut auf:
In diesem Faktencheck 4 informiert die EHG über die konkret in der Feuerbestattungsanlage Traunstein gemessenen und überwachten Emissionen. Diese können für die geplante Anlage in Kolbermoor ebenfalls erwartet werden, da die gleiche moderne Anlagentechnik zum Einsatz kommen soll.

Emissionen gemessen als StundenmittelwertGrenzwerte lt. 27. BImSchV Werte der Feuerbestattung TraunsteinUnterschreitung des gesetzlichen Grenzwertes
Kohlenmonoxid CO50 mg/m³NCa. 4,5 mg/m³NMinus 91 Prozent
Staub (Gesamtstaub)10 mg/m³NCa. 1,2 mg/m³NMinus 88 Prozent
Gesamtkohlenstoff C20 mg/m³NCa. 3,5 mg/m³NMinus 82,5 Prozent
Dioxine und Furane in Summe0,1 ng/m³NCa. 0,01 ng/m³NMinus 90 Prozent


Frage: „Ist mit Gesundheitsrisiken zu rechnen?“

Fakten:
Es ist erwiesen, dass Straßenverkehr, private Kachelöfen oder Sylvesterfeuerwerke zu einer wesentlich höheren Belastung von Mensch und Umwelt beitragen als moderne, qualitativ hochwertige Feuerbestattungsanlagen. Inwiefern radioaktive Isotope mit einer Einäscherung freigesetzt werden könnten, wissen wir nicht, da bisher noch niemand auf die Idee gekommen ist, Feuerbestattungen mit der Freisetzung von Radioaktivität in Verbindung zu bringen. Fakt ist aber, dass Radioaktivität nur dann freigesetzt werden könnte, wenn sie in den Einäscherungsvorgang eingebracht würde, was regelmäßig nicht der Fall ist.


Frage: „Ist der geplante Standort passend?“

Fakten:
Der Gesetzgeber kennt keine vorgegebene Mindestentfernung von Feuerbestattungsanlagen zur Bebauung in der Nachbarschaft, gleich ob Handel, Schulen, Sportanlagen oder Wohnbebauung. Vielfach von Projektgegnern behauptete, unzulässige Belastungen der Umgebung von Feuerbestattungsanlagen mit Dioxin-, Quecksilber- oder anderen Schwermetallkontaminierungen sind unter objektiven Gesichtspunkten nicht belegbar.


Frage: „Verschlechtert sich die Verkehrssituation nennenswert?“

Fakten:
Wie sich die vermeintliche zusätzliche Verkehrsbelastung von „ca. 120 Verkehrsbewegungen mehr pro Tag“ errechnet, ist für uns nicht nachvollziehbar. Unsere Erfahrungen in Traunstein sind Grundlage für die von uns öffentlich mitgeteilten 15 bis 30 PKW-Bewegungen werktäglich, daraus ergeben sich 30 bis 60 zusätzliche An- und Abfahrten an den Friedhof.


Frage: „Wird in der geplanten Anlage wirklich beste, modernste Technik eingesetzt?“

Fakten:
Richtig ist, dass die Feuerbestattung Traunstein 2001 erstmals mit einer Ofenlinie in Betrieb gegangen ist. 2010 wurde die zweite Ofenlinie gebaut, 2011 wurde die erste Ofenlinie komplett erneuert. Alle bewegten und Feuer berührten Teile werden in regelmäßigen Abständen ausgetauscht, wesentliche Anlagenkomponenten wie Abgaskühler, Rauchgasfüchse und Ofenauskleidungen werden alle zwei bis sechs Jahre ausgetauscht. Die regelmäßige Nachrüstung der gesamten Anlage an einen veränderten Stand der Technik ist Verpflichtung gegenüber der Stadt als Erbpachtgeber, Überwachungsbehörde und Vertragspartner.

Richtig ist, dass die Feuerbestattung Traunstein 2001 erstmals mit einer Ofenlinie in Betrieb gegangen ist. 2010 wurde die zweite Ofenlinie gebaut, 2011 wurde die erste Ofenlinie komplett erneuert. Alle bewegten und Feuer berührten Teile werden in regelmäßigen Abständen ausgetauscht, wesentliche Anlagenkomponenten wie Abgaskühler, Rauchgasfüchse und Ofenauskleidungen werden alle zwei bis sechs Jahre ausgetauscht. Die regelmäßige Nachrüstung der gesamten Anlage an einen veränderten Stand der Technik ist Verpflichtung gegenüber der Stadt als Erbpachtgeber, Überwachungsbehörde und Vertragspartner.


Frage: „Gibt es Störfall-Risiken?“

Fakten:
Einmal mehr versuchen die Gegner des Projektes, mit angeblichen Störfällen und Bränden Ängste zu schüren. Wir verweisen hier auf unsere Ausführungen vor allem in unserem Faktencheck 5, die belegen, dass es weder Störfälle gibt noch eventuelle Bypassgänge zu spür- und messbaren Belastungen führen.


Frage: „Wird unnötig Natur zerstört?“

Fakten:
Abgesehen davon, dass es sich bei den Bäumen am Friedhof nicht um sog. Gewachsenen Baumbestand handelt, werden sich Eingriffe in das Areal des Friedhofes im Wesentlichen auf den Bau eines ca. 1.000 qm großen Gebäudes und erforderliche Zufahrten beschränken. Wie bei allen Bauprojekten üblich, werden entsprechende Ausgleichsmaßnahmen an geeigneter Stelle für die Kompensation von Versiegelung und potentiellen Eingriffen in das Umfeld des Friedhofes sorgen.
Die ebenfalls aufgeworfene Frage zur vermeintlichen Belastung „benachbarter Landwirtschaft“ ist im Zusammenhang mit den vielfach aufgeworfenen Fragen und Behauptungen zur angeblichen Luftbelastung umfangreich und realistisch beantwortet.


Frage: „Führt das Projekt zur psychischen Belastung der Bürger?“

Fakten:
Uns sind keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur aufgeworfenen Frage, inwiefern „… Krematorien psychische Auswirkungen auf die in der Umgebung lebenden Menschen haben“, bekannt. Erfahrungen aus Traunstein und zahlreichen anderen Städten und Gemeinden, in denen Feuerbestattungsanlage teilweise seit mehr als 100 Jahren auf Friedhöfen in unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauungen errichtet sind, zeigen, dass den meisten Anwohnern nicht bewusst ist, das in ihrer Nähe Feuerbestattungsanlagen situiert sind. Und wenn doch, stellen die Anwohner regelmäßig keine Beeinträchtigungen fest – auch keine „Psychischen Belastungen“.


Frage: „Ist der Bau eines Krematoriums am Neuen Friedhof unter Pietätsgesichtspunkten vertretbar?“

Fakten:
Jeder, der die Feuerbestattung Traunstein kennt oder besucht hat, wird feststellen müssen, dass viele Friedhofgänger oder Nachbarn den Weg zur Feuerbestattungsanlage nicht zeigen können oder gar nicht wissen, dass es eine entsprechende Anlage in Traunstein gibt. Der Betrieb erfolgt – egal ob im Ein-, Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb, so unauffällig und dem Friedhof gegenüber abgeschirmt, dass der Friedhof weder seine „Beschaulichkeit“ noch seine „Ruhe“ verloren hat. Gleiches wird in Kolbermoor der Fall sein. Abgesehen davon stehen die meisten Feuerbestattungsanlagen in Deutschland und Europa an Friedhöfen, ohne das sich daraus Pietätsprobleme ergeben würden. Ob in heutiger Zeit die Frage, inwiefern die Nutzung überschüssiger Energie nicht nur sinnvoll weil ressourcenschonend ist, sondern unter Gesichtspunkten der Pietät nicht zulässig sei, berechtigt ist, mag der Betrachter für sich selbst beantworten. Wir können an einer umweltfreundlichen Nutzung von Überschusswärme zumindest keine Pietätslosigkeit erkennen.

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